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Verkehrsregeln: Zehn gängige Irrtümer

1. Die Rettungsgasse ist zu bilden, wenn Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn von hinten kommen
Nein,  sie muss bereits bei stockendem Verkehr gebildet werden, damit die  Ein¬satzkräfte jederzeit freie Bahn haben. Die Autos auf der linken Spur  fahren ganz links, Fahrzeuge auf der rechten nach rechts. Bei  dreispurigen Autobahnen wird die Gasse zwischen linker und mittlerer  Spur gebildet. Der Pannenstreifen bleibt möglichst frei.

2. Fahrverbote im Ausland gelten auch in Deutschland
Falsch!  Wenn Sie ein Fahrverbot im Ausland kassiert haben, dürfen Sie in  Deutschland weiterfahren, die Strafe gilt nur in dem Land, in dem sie  verhängt wurde. Aber aufgepasst: Wer trotz Verbot dort fährt, dem drohen  bei Kontrollen hohe Geldstrafen, und der Führerschein kann von den  ausländischen Behörden einbehalten werden. Er wird danach an die  zuständige Führerscheinstelle am Wohnort geschickt, der Besitzer kann  ihn später dort abholen.

3. In einem verkehrsberuhigten Bereich ist Tempo 30 erlaubt
Falsch.  Autos, Motor-und Fahrräder dürfen nur Schrittgeschwindigkeit fahren,  das heißt zwischen 4 und 7 km/h. Fußgänger können die Straße in ihrer  ganzen Breite nutzen. In einem "verkehrsberuhigten Bereich" (Zeichen  325.1) spielt der Fahrzeugverkehr eine untergeordnete Rolle, auf die  klare Trennung von Fahrbahn, Gehweg, Radweg wird verzichtet. Auf der  Straße sind Kinderspiele erlaubt, Parken ist grundsätzlich verboten.

4. Ab 0,5 Promille am Steuer ist der Führerschein in Gefahr
Nein,  manchmal reichen auch schon weniger Promille. Und zwar dann, wenn der  Fahrer alkoholtypische Ausfallserscheinungen zeigt, zum Beispiel  Schlangenlinien fährt, oder wenn er einen Unfall verursacht. Dann droht  ab einem Blutalkoholwert von 0,3 Promille neben einer Geldstrafe auch  der Entzug der Fahrerlaubnis für mehrere Monate.

5. Wenn ein Autofahrer rückwärts aus einer bevorrechtigten Straße fährt, muss er anderen Vorfahrt gewähren
Falsch.  Wenn Fahrzeuge rückwärts aus einer Straße fahren, zum Beispiel in  Sackgassen, wo kein Platz zum Wenden ist, gilt rechts vor links.  Allerdings besteht beim Rückwärtsfahren eine besondere Sorgfaltspflicht.  Passiert ein Unfall, haften beide Beteiligten.

6. Auf deutschen Autobahnen gilt eine Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h
Ein  Trugschluss. Auf Autobahnen dürfen hierzulande nur Fahrzeuge unterwegs  sein, die bauartbedingt schneller als 60 km/h fahren können. Das hat  nichts mit einer Mindestgeschwindigkeit zu tun. Über die entscheidet der  Fahrer nach Verkehrslage und Witterung. Die Grenze für langsames Fahren  liegt dort, wo andere dadurch mutwillig behindert werden.

7. Beim Auffahren auf die Autobahn gilt das Reißverschlussverfahren
Keineswegs.  Das Reißverschlussverfahren ist nur angesagt, wenn eine Fahrspur  wegfällt, nicht aber auf dem Beschleunigungsstreifen. Wer auf die  Autobahn auffährt, muss die Fahrzeuge auf der Autobahn passieren lassen  und seine Geschwindigkeit entsprechend anpassen.

8. Wer ohne Berechtigung auf einem Mutter-Kind-Parkplatz steht, riskiert ein Bußgeld
Stimmt  nicht. Die häufig in Parkhäusern oder auf Parkplätzen reservierten  Stellflächen richten die Betreiber selbst ein. Sie sollen Eltern mit  Kindern mehr Raum für das Ein- und Aussteigen bzw. für das Verstauen des  Kinderwagens lassen. Das Zusatzzeichen unter dem blauen Parkschild ist  jedoch nicht im Verkehrszeichenkatalog des Bundes eingetragen, für die  Missachtung ist kein Bußgeld vorgesehen. Die Praxis zeigt: Autofahrer  mit guter Kinderstube respektieren diese Regelung.

9. Bei Stau dürfen Autofahrer auf dem Pannenstreifen bis zur nächsten Ausfahrt fahren – wenn es eine kurze Strecke ist
Nein.  Der Pannenstreifen auf der Autobahn ist für defekte Fahrzeuge  reserviert. Wer ihn nutzt, um bei einem Stau schneller voranzukommen,  muss mit 75 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Das  Verbot gilt nicht, wenn Polizeibeamte oder das Zeichen 223.1  ("Seitenstreifen befahren") die Spur freigeben.

10. In den Wintermonaten gilt in Deutschland Winterreifenpflicht
Falsch.  Die Winterreifenpflicht hat nichts mit einem bestimmten Zeitraum zu  tun, sondern richtet sich nach den Wetter- und Straßenverhältnissen.  Danach sind Sommerreifen bei "Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis-  oder Reifglätte" verboten. Bei Verstößen drohen Geldbußen bis 80 Euro  und ein Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg.

Stand: Juli 2016


     
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